'In my Room: Teenagers in Their Bedrooms', Rick.V / © Adrienne Salinger

Teenager Schlafzimmer in den 90ern – Adrienne Salinger

Die amerikanische Fotografin Adrienne Salinger porträtiert in ihrer Serie ‚In my Room: Teenagers in Their Bedrooms‘ Anfang der 90er Jahre Jugendliche in ihren eigenen Schlafzimmern und befragt die Heranwachsenden zu ihren Hoffnungen und Ängsten.

Das Jugendzimmer ist ein Mikrokosmos für sich, in den Erwachsene nur begrenzt Einblick haben. Es ist ein Ort des Rückzugs und ein Raum zur Konservierung von Gedanken, Träumen und Wünschen. Der ganze Besitz eines jungen Menschen ballt sich in diesem einen Raum. Das Jugendzimmer wird somit zum Epizentrum einer Entwicklung. Wer bin ich, wer möchte ich sein oder will ich überhaupt sein? Weder Kind noch Erwachsener, so befindet man sich als Teenager in einem Schwebezustand. All das manifestiert sich sichtbar in dem Schlafzimmer eines Jugendlichen. Da mischen sich nahtlos Heavymetalheroen mit Stofftierarrangements.

„Unsere Schlafzimmer erzählen Geschichten über uns. Sie sind Aufbewahrungsort für unsere Erinnerungen und zeigen unser Selbstbild“

In meinem eigenen Teenagerzimmer hing ein hart erkämpftes Jim Morrisonplakat mit der Untertitelung ‚This is the end‘ neben einem melancholischen Schwarz-Weiß-Foto von Nirvana Frontmann Kurt Cobain mit dem nicht weniger deprimierenden Ausspruch, ‚I hate myself and I want to die‘. Konzerttickets, Songbooks der Lieblingsband, Comiczeichnungen und Schmuckstücke werden wie Ikonen zu einen eigenen Kosmos zusammengestellt. Zeige mir dein Schlafzimmer und ich sage dir wer du bist. So oder so ähnlich könnte man die fotografische Arbeit von Salinger begreifen.

Zutritt für Eltern verboten

Ihre 43 Protagonisten lernte Salinger in Einkaufszentren und Restaurants kennen. „Ich war so fasziniert davon in das Schlafzimmer von Fremden zu gehen und ihre Geschichten zu hören“, sagt die Fotografin. Wichtig war ihr vor allem die Authentizität der Bilder. Die Jugendlichen sollten ihre Zimmer vor den Aufnahmen nicht aufräumen und die Eltern sollten für diesen Zeitraum ausgeschlossen sein. In einem vierstündigen Arbeitsprozess erzählten ihr die Jugendlichen dann in einem Videointerview ihre Geschichten über Drogenmissbrauch, Rassismus und eigene Zukunftsvisionen.

Jedes Zimmer sagt die Wahrheit und lügt gleichzeitig

„Es ist eine wirklich schwere Zeit im Leben eines jeden. Vielleicht sogar die schwerste“, betont Salinger. Sie beschreibt diese Phase als besonders kraftvoll, was nach außen auch oft als Bedrohung wahrgenommen werden kann. Die Eltern selbst erkennen ihre eigenen Kinder oft in diesem Lebensabschnitt nicht wieder. Das hat einen ganz einfachen Grund: Die Teenager befinden sich in einem derart rasanten Wandel und wissen oftmals selber nicht wer sie gerade sind.

„Alles in diesen Zimmern sagt die Wahrheit und lügt gleichzeitig. Teenager sind so kompliziert, da sie sich jeden Moment neu erfinden. Das Zimmer als Ausdruck der Person konserviert Momentaufnahmen und der Ausdruck der eben noch wahr war kann im nächsten Moment schon wieder überholt sein“, sagt Salinger.

Die Fotoserie ‚In my Room‘ bietet einen sehr privaten Einblick in die Subkultur der amerikanischen Jugendlichen der 90er Jahre und einen Blick in die eigene Vergangenheit.

'In my Room: Teenagers in Their Bedrooms', Karl B. / © Adrienne Salinger
‚In my Room: Teenagers in Their Bedrooms‘, Karl B. / © Adrienne Salinger
'In my Room: Teenagers in Their Bedrooms', Brad S. / © Adrienne Salinger
‚In my Room: Teenagers in Their Bedrooms‘, Brad S. / © Adrienne Salinger
'In my Room: Teenagers in Their Bedrooms', Donna D. / © Adrienne Salinger
‚In my Room: Teenagers in Their Bedrooms‘, Donna D. / © Adrienne Salinger
'In my Room: Teenagers in Their Bedrooms', Gavin Y. / © Adrienne Salinger
‚In my Room: Teenagers in Their Bedrooms‘, Gavin Y. / © Adrienne Salinger
'In my Room: Teenagers in Their Bedrooms', Joe H. / © Adrienne Salinger
‚In my Room: Teenagers in Their Bedrooms‘, Joe H. / © Adrienne Salinger

Mehr Fotos aus der Serie ‚In my Room: Teenagers in Their Bedrooms‘ hier