Der Kampf um die Freiheit: Malerinnen um 1900

‚Malerinnen im Aufbruch‘ – Frauen erobern um 1900 die Kunst – Sommerausstellung der Worpsweder Museen. In einer groß angelegten Retrospektive werden in den Worpsweder Museen noch bis zum 15.09.2013 die Künstlerinnen um 1900 gewürdigt. In den vier Ausstellungen werden Werke bekannter, sowie in Vergessenheit geratener Künstlerinnen gezeigt.

In der damaligen Zeit erforderte es Mut und Opferbereitschaft seiner künstlerischen Neigung nachzugehen. Gesellschaftlich geächtet und oftmals verlacht, mussten die damaligen Künstlerinnen ihren Weg gehen. Einige gaben alles dafür auf, andere opferten ihr Talent der Partnerschaft oder der Familie.

Bis ins 20. Jahrhundert war begabten Frauen der Zugang zu einer wissenschaftlichen oder akademischen Ausbildung verwehrt. In Russland war es Frauen bereits seit 1871 erlaubt an Akademien zu studieren, in Deutschland wurde dies unter starken Einschränkungen erst nach 1933 möglich. Den damaligen Künstlerinnen blieb nichts weiter übrig als im Eigenstudium oder durch Privatunterricht ihr Wissen und ihr Können zu schulen. Die Kunstgeschichte entdeckte den immensen Werte viele dieser mutigen Künstlerinnen erst im 21. Jahrhundert.

In den Worpsweder Museen kann man nun eine große Bandbreite an weiblichen Künstlerpersönlichkeiten entdecken. Von den Wegbereiterinnen der Moderne bis zu den Bewahrerinnen der Volkskunst spannt sich das Spektrum. Allen gemeinsam ist der Kampf um Gleichberechtigung, um Ausbildungsmöglichkeiten und die Stärkung der Selbstbestimmung.

Werke der Malerinnen aus der Künstlerkolonie Kerteminden von der Insel Fünen (wie Anna Syberg, Alhed Larsen, Christine Swane und Anna E. Munch) werden den Arbeiten von den Worpsweder Künstlerinnen (Paula Modersohn-Becker und Clara Rilke-Westhoff) gegenübergestellt.

In Form von sonntäglichen Matineen, Lesungen und Vorträgen werden dem Besucher die Künstlerpersönlichkeiten näher gebracht.

 

Fokus auf eine bedeutende Künstlerpersönlichkeit – Julie Wolfthorn:

In der Ausstellung ‚Mit Pinsel und Palette die Welt erobern‘ im Barkenhoff/Heinrich-Vogeler-Museum erlebt man bis zum 13.10.2013 Werke der großartigen Künstlerin Julie Wolfthorn, eine der Mitbegründerinnen der Berliner Secession. Schon früh setzte sie sich für die Gleichberechtigung der Frauen ein, 1905 kämpfte sie vergebens für die Zulassung von Frauen an der Preußischen Akademie der Künste. Ein Jahr später gründete sie gemeinsam mit Käthe Kollwitz die Ausstellungsgemeinschaft ‚Verbindung Bildender Künstlerinnen‘. Studienaufenthalte führten sie nach Paris, in Künstlerkolonie Dachau, nach Hiddensee und Worpswede. 1942 wurde ihr Wirken jäh zerstört durch die Deportation in das Konzentrationslager Theresienstadt. Noch heute findet man in Berlin ihren Stolperstein.

Autorin: Judith Behnk

 

Mehr Informationen finden Sie unter: http://www.worpswede-museen.de/malerinnen-im-aufbruch/malerinnen-im-aufbruch.html