NENETS TRIBE Location: Siberia – Yamal Photographed in 2011. © Jimmy Nelson Pictures

Jimmy Nelson Fotografie: Indigene Völker- Before They Pass Away

Der britische Fotograf Jimmy Nelson bereiste für sein Projekt „Before They Pass Away“ vier Jahre lang 40 Länder weltweit und dokumentierte indigene Völker. Ausgerüstet mit einer historischen Plattenkamera porträtierte er Volksgruppen, deren Lebensweise und Kultur von der modernen industriellen Gesellschaft bedroht ist.  Dabei schwanken seine ausdrucksstarken fotografischen Arbeiten zwischen Anthropologie und subjektiver Idealisierung.

 

Kasache. Ursprünglich waren die Kasachen Hirtennomaden in der Steppe. Zur Zeit der Sowjetherrschaft wurden die meisten Nomaden gewaltsam unter staatlichem Zwang sesshaft gemacht und die Herden zu Kolchosen verstaatlicht. © Jimmy Nelson Pictures
Kasache. Ursprünglich waren die Kasachen Hirtennomaden in der Steppe. Zur Zeit der Sowjetherrschaft wurden die meisten Nomaden gewaltsam unter staatlichem Zwang sesshaft gemacht und die Herden zu Kolchosen verstaatlicht. © Jimmy Nelson Pictures

Die Kasachen sind ein nomadisches Volk, dass gemeinsam mit ihren Herden durch die Gebirge und Täler der westlichen Mongolei zieht. Eine der Traditionen, die sie bis jetzt aufrechterhalten konnten, ist die Jagd mit ihren Adlern. Ihre Kultur ist geprägt von der Verbundenheit mit der Natur und der Glaube an die Beseeltheit der ganzen Welt.

© Before They Pass Away by Jimmy Nelson, Kazakhs, Mongolia,
Kasachen . © Jimmy Nelson Pictures
Maori © Jimmy Nelson Pictures
Maori. Als Maori wird das indigene Volk Neuseelands bezeichnet. Ursprünglich aus der pazifischen Inselwelt stammend. © Jimmy Nelson Pictures

Die Kultur der Maori, lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen. Ursprünglich aus Polynesien stammend, erreichten damals die ersten Maoris mit ihren seetüchtigen Auslegerkanus Neuseeland. Die Eroberung der europäischen Kolonisten im 18. Jahrhundert hatte massive Auswirkungen auf die Ureinwohner.  Es kam zu gewaltsamen kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen ihnen und den Neuankömmlingen. Zudem brachten die Europäer Krankheiten wie Tuberkulose, Masern und Typhus mit. Fast 200.000 Maoris sollten dadurch ihr Leben verlieren.

Maori. © Jimmy Nelson Pictures
Maori. © Jimmy Nelson Pictures
Goroka. Papua-Neuguinea. © Jimmy Nelson Pictures
Goroka. Papua-Neuguinea. © Jimmy Nelson Pictures
Die Huaorani sind eine indigene Volksgruppe, die in den Regenwäldern des Amazonasbeckens zwischen den Flüssen Napo und Curaray im Osten Ecuadors lebt. © Jimmy Nelson Pictures
Die Huaorani sind eine indigene Volksgruppe, die in den Regenwäldern des Amazonasbeckens zwischen den Flüssen Napo und Curaray im Osten Ecuadors lebt. © Jimmy Nelson Pictures
Die Mursi sind eine Ethnie im Südwesten Äthiopiens mit weniger als 10.000 Angehörigen. Sie leben im unteren Omo-Flusstal. © Jimmy Nelson Pictures
Die Mursi sind eine Ethnie im Südwesten Äthiopiens mit weniger als 10.000 Angehörigen. Sie leben im unteren Omo-Flusstal. © Jimmy Nelson Pictures

Die Mursi sind bekannt für die Lippenteller ihrer Frauen, bei den Mursi dhebi genannt. Um diese einzusetzen, wird bei den Mädchen am Ende der Pubertät die Unterlippe aufgeschnitten, und zwei der unteren Schneidezähne werden ausgeschlagen. Immer größere Exemplare der Tonteller werden eingesetzt, um die Unterlippe allmählich zu dehnen. Diese Körpermodifikation ist Symbol eines Übergangsrituals und weiht das Mädchen in die Welt der erwachsenen Frauen ein.

© Jimmy Nelson Pictures
© Jimmy Nelson Pictures
Die Samburu sind ein Volk im Norden Kenias. Sie sind Viehzüchter und halten meist Rinderherden. Ihre Sprache ist, wie die ihrer nahen Verwandten Massai, Maa. © Jimmy Nelson Pictures
Die Samburu sind ein Volk im Norden Kenias. Sie sind Viehzüchter und halten meist Rinderherden. Ihre Sprache ist, wie die ihrer nahen Verwandten Massai, Maa. © Jimmy Nelson Pictures

Die Männer der Samburu leben polygam, haben also meist mehrere Frauen. Die Frauen besitzen allerdings oft ihre eigenen Hütten. Die Mädchen werden im Alter von 15 Jahren quasi zwangsverheiratet und die Ältesten eines Klans entscheiden, wer mit wem verheiratet wird. Zu den Hochzeitszeremonien gehört leider auch heute noch die weibliche Genitalverstümmelung, die oftmals durch Infektionen oder zu hohen Blutverlust zum Tod der Mädchen führt.

Samburu. © Jimmy Nelson Pictures
Samburu. © Jimmy Nelson Pictures

Die Rabari, die heute das westliche Indien besiedeln, sollen vor mehr als 1000 Jahren ursprünglich aus dem Iran nach Indien eingewandert sein. Hauptsächlich sind sie heute in Gujarat und Rajasthan zu finden. Die Frauen der Rabari könnte man als emanzipiert bezeichnen, denn während die Männer mit den Herden unterwegs sind, kümmern sie sich um alle Geldangelegenheiten der Familie. Ihr Haupteinkommen erzielen sie durch den Verkauf von Leder, Wolle, kunstvollen Stickereien und Milch.

Rabari. © Jimmy Nelson Pictures
Rabari. © Jimmy Nelson Pictures
Rabari. © Jimmy Nelson Pictures
Rabari. © Jimmy Nelson Pictures

 

„BEFORE THEY PASS AWAY“

Die indigenen Völker weltweit sind durch die industrialisierte Gesellschaft bedroht, die im Namen des Fortschritts, Land vereinnahmt und somit den Ureinwohnern die Lebensgrundlage nimmt. Oftmals werden sie Opfer von Rassismus und Verdrängung.

Jimmy Nelson fasste seine fotografische Weltreise zu den letzten Jimmy Nelson. Before they pass awayindigene Völkern unserer Erde in dem beeindruckenden Bildband – „Before They Pass Away“ – zusammen.  Kritiker bemängelten, dass die Fotografien eher eine westliche Fantasie befriedigten, als die oftmals grausame Realität zu zeigen. Nelson selbst betont, dass er eine sehr persönliche, ästhetische Perspektive gewählt habe und dass es ihm vor allem darum ging die Vielfalt und Wichtigkeit indigener Völker zu betonen. Der Fotobildband wurde mit dem Goldenen Deutschen Fotobuchpreis ausgezeichnet

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