Die Māori Portraits in Berlin

Erstmalig werden außerhalb von Neuseeland die Māori Portraits des Künstlers Gottfried Lindauer in der Alten Nationalgalerie Berlin gezeigt. Durch Gesänge und Rituale gereinigt kann die Ausstellung beginnen

Wegen mangelnder Auträge machte sich der aus dem böhmischen Pilsen stammende Gottfried Lindauer 1874 in die Ferne auf. Sein Ziel – Auckland, Neuseeland. Auf der anderen Seite der Welt  traf er den Geschäftsmann Henry Partridge, der ihm den Auftrag erteilte Māori Portraits zu fertigen und damit einen Teil der indigenen Kultur zu erhalten. In großer detailgetreue dokumentierte er in seinen Gemälden nicht nur hochrangige Persönlichkeiten der damaligen Zeit, sondern auch  traditionelle Kleidung, Tätowierungen und Machtinsignien der Māori-Kultur. Lindauer ist der erste Künstler seiner Zeit der eine fremde Kultur nicht als ethnologische Sensation vorführt, sondern ihnen ebenbürtige Portraits widmet.

Für die Nachfahren der Dargestellten war es ein großer Schritt die Gemälde erstmals außerhalb Neuseelands zu zeigen. Denn die Gemälde spiegeln die Geschichte und Identität ihrer Vorfahren. Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Auckland Art Gallery Toi o Tāmaki gelang die Aktion. Die Bilder wurden vor dem Transport gesegnet und die Ausstellungsräume spirituell gereinigt.

Dass die Bilder nicht im Ethnologischen Museum gezeigt werden, sondern in der Nationalgalerie hat für die Kuratorin Britta Schmitz eine Signalwirkung. „Wir wollen die Bilder in einem kunsthistorischen Zusammenhang präsentieren. Würden wir sie in den außer­europäischen Sammlungen in Dahlem zeigen, würden wir sie auf das Fremde reduzieren“, betont die Kunsthistorikerin.

Mit der Ausstellung ‚Gottfried Lindauer. Die Māori Portraits‘ erweitert die Nationalgalerie ihre internationale Ausrichtung. Der Fokus war bis jetzt vorrangig auf die europäische Kunst des 19. Jahrhunderts fokussiert, nun wird der Blick auf eine bereits damals globalisierte Welt ausgedehnt.

Noch bis zum 12.04.2015 können die Werke in der Alten Nationalgalerie Berlin bewundert werden.

Ein ausführliches Buch, herausgegeben von Udo Kittelmann und Britta Schmitz, erscheint begleitend zur Ausstellung auf Deutsch/Englisch im Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln (ISBN Nr. 978-86335-630-9). Alle Porträts werden ganzseitig abgebildet und jeder Dargestellte ausführlich vorgestellt.

Eintritt
Hausticket inkl. Gottfried Lindauer. Die Māori Portraits
Regulär    12 Euro
Ermäßigt    6 Euro

Mehr Informationen finden Sie unter: http://www.smb.museum/ausstellungen/detail/gottfried-lindauer.html

 

Autorin: Judith Behnk