Ausstellungsansicht Antoine Wagner im Museum für Völkerkunde. © Judith Behnk

Exil-Photographien von Antoine Wagner im Völkerkundemuseum

Der amerikanische Fotograf Antoine Wagner porträtiert in seinen Bildern Menschen, die auf der Flucht alles hinter sich lassen mussten und nun in Deutschland leben. Seine Fotos werden im Völkerkundemuseum ausgestellt.

Weltweit gab es noch nie so viele Flüchtlinge wie heutzutage. Die Schicksale der Menschen, die ihre Heimat und ihre Familien auf der Suche nach Sicherheit zurücklassen müssen, scheinen weit weg zu sein. Und doch leben sie mitten unter uns. Der New Yorker Fotograf Antoine Wagner porträtiert Künstler und Intellektuelle, die aus politischen oder wirtschaftlichen Gründen im Exil in Deutschland leben. Durch den Fokus auf die Einzelschicksale weckt er die Neugier des Betrachters. Seine Botschaft ist Vielfalt.

A journey of no return

Ob ein iranischer Maler oder ein chinesischer Journalist, sie haben alle eins gemein, sie sind kulturschaffende Exilanten und mussten ihre Heimat verlassen. In Einzelporträts vergegenwärtigt Antoine Wagner mit viel Einfühlungsvermögen die Kraft aber auch die Verlorenheit der Menschen. Tagtäglich erreichen uns Bilder von Flüchtlingen, die auf der Suche nach einer besseren Zukunft ihr Leben auf überladenen, schrottreifen Booten riskieren. Wenn sie die Überfahrt überleben und es nach Europa schaffen, begegnet ihnen oft Abneigung. Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr mit mehr als 400.000 Asylanträgen –Flucht ist also ein Thema das uns alle betrifft.

„Die Fahrt ins Exil ist ‚the journey of no return‘. Wer sie antritt und von der Heimkehr träumt, ist verloren. Er mag wiederkehren, aber der Ort den er dann findet, ist nicht mehr der, den er verlassen hat. Und er selbst ist nicht mehr der, der fort gegangen ist“, sagte Sonja Lahnstein-Kandel von der Initiative für Toleranz und Verantwortung, anlässlich der Ausstellungseröffnung im Völkerkunde Museum.

Immigranten sind im doppelten Sinne ausgegrenzt. Zum einen können sie oftmals nicht zurück in ihr Heimatland, zum anderen sind sie vielfach noch nicht vollständig in ihre neue Heimat integriert. Die Ausstellung „Exil. Photographien von Antoine Wagner“ dokumentiert diese innere Zerrissenheit. Die Entscheidung, sein Leben zu riskieren, um in einen Zustand der Sicherheit zu gelangen, sei es nun für körperliche Unversehrtheit oder für politische Freiheit, ist keine einfache. Für viele Menschen bedeutet die Flucht einen existentiellen Bruch in ihrem Leben. Der Künstler appelliert an die Neugier und sagt: „ Es ist nahezu egal, ob jemand vertrieben wird, fliehen muss oder freiwillig losgeht. Den Zustand Exil kennen sie alle. Immer ist das schwer und doch auch ein Zustand, in dem vieles aufblühen kann. Im besten Fall wächst daraus eine Kraft, die in beiden Kulturen Neues schaffen kann.“

Noch bis zum 29.05. 2016 kann die Ausstellung im Museum für Völkerkunde zu besucht werden.

Mehr Informationen finden Sie unter: Antoine Wagner im Museum für Völkerkunde

Foto: Judith Behnk, zuerst erschienen auf hh-mittendrin.de