Die Erfindung der Kindheit

Kindheit – Eine Erfindung des 19. Jahrhunderts

Alfred Hamacher (1886-1967): Das Kind mit seiner Puppe, Porträt der Grete Schorn, um 1900, Öl auf Leinwand, Stadtmuseum Baden-Baden
Alfred Hamacher (1886-1967): Das Kind mit seiner Puppe, Porträt der Grete Schorn, um 1900, Öl auf Leinwand, Stadtmuseum Baden-Baden

In Kooperation mit dem Stadtmuseum Baden-Baden zeigt das Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts Baden-Baden vom 21. September 2013 bis zum 9. März 2014 eine Auswahl an Kinderporträts, die den veränderten sozialen und emotionalen Wert gegenüber Kindern im 19. Jahrhundert zeigen.

Das 19. Jahrhundert ist bestimmt durch Umbrüche industrieller, wirtschaftlicher und sozialer Art. In dieser sich rasant entwickelnden Welt veränderte sich auch das Menschenbild, insbesondere die Beziehung der Gesellschaft zu Kindern und Heranwachsenden. Begründer dieser Entwicklung waren die Pädagogik und die Aufklärung. Kindheit so wie wir es heute verstehen wird ab erst ab 1800 konstituiert.

„Waren Jüngere und Kleine vorher eher Defizit-Erwachsene, so wird Kindheit als eigene Lebensphase, als Recht auf individuelle Entfaltung und Lernen, als Objekt elterlicher Liebe, Mühe und gesteigerter Verantwortung, sowie als Objekt staatlicher Verschulung ab dem frühen 19. Jahrhundert in Deutschland, Frankreich und England zu einem der beherrschen Themen unsere Gesellschaft“, sagt Prof. Dr. Matthias Winzen vom Museum für Kunst und Technik des 19. Jahrhunderts.

In der Malerei der Romantik und des Biedermeier tauchen eine Vielzahl von Kinderbildnissen auf. Sie zeigen die Kinder als Persönlichkeiten mit einem ganz eigenen Blick auf die ihnen noch neue Welt, eben mit dem Blick eines Kindes. Diese Bildnisse zeigen Momentaufnahmen, sich rasant entwickelnder Lebewesen.

Diese Veränderung ist Ausdruck einer neuen gesellschaftlichen Ordnung. Die damals staatliche eingeführte Schulpflicht bereitet den Weg für eine allgemeine Bildungsmöglichkeit und unterband langfristig die weitverbreitete Kinderarbeit in der Landwirtschaft, im Bergbau und in der Textilindustrie.

Die ausgestellten Porträts zeigen eine völlig veränderte Wertschätzung der Eltern für ihre Kinder und damit eine neue kulturelle Entwicklung welche unser heutiges Verständnis von Familie und der Eltern-Kind-Beziehung nachhaltig prägte.

Mehr Informationen finden Sie unter: http://www.la8.de/de/museum.html

http://www.swr.de/nachtkultur/-/id=200218/did=12087054/nid=200218/1mecqgo/index.html

Autorin: Judith Behnk