Deine Lakaien – Die Meister der Melancholie

In der Hamburger Laeiszhalle feierten Deine Lakaien den furiosen Abschluss ihrer Acoustic Tour 2015

„Suche experimentierfreudigen Sänger“, ohne diese Anzeige 1984 hätte es Deine Lakaien wahrscheinlich nie gegeben. Das Duo bestehend aus dem Multiinstrumetalisten Ernst Horn und dem charismatischen Sänger Alexander Veljanov entführte die Hamburger auf ihrer Acoustic Tour in eine längst vergessene Zeit. Eine Zeit, in der die kultivierte Melancholie und der Weltschmerz noch als kreative Triebfeder galten und als die düsteren Gesellen noch Grufties hießen. Ihr musikalischer Stil ist inspiriert von Dark Wave, Punk und Avantgarde, war noch nie Mainstream und immer experimentierfreudig. Der Bandname stammt von Veljanov, der sich auf die Textzeile „Auch Lakaien haben Taktgefühl“, von den Einstürzenden Neubauten bezieht. „Wir sind nun mal keine leicht konsumierbare Unterhaltungsband, wir sind Grenzgänger“, betont Veljanov. Alles kreist um zwei wesentliche Themenkreise: Das ganz Depressive und das Philosophische. Entweder man liebt es, oder man hasst es.

Als Veljanov in Hamburg die Bühne betritt, herrscht andächtiges Schweigen. Trotz der Kulisse des Kleinen Saales der Laeiszhalle, die eher an eine Schulaula erinnert als an ein Konzerthaus, schafft der Sänger sofort eine mystische Stimmung. Der Wiedererkennungswert seiner Stimme ist einzigartig und erzeugt gemeinsam mit Ernst Horn Klangräume, die weit über das Spektrum eines Dark-Sythnie-Pop-Duos hinaus reichen.

Der Pianist Ernst Horn schafft es durch die Präparierung des Pianos die elektronischen Töne in die analoge Welt zu übertragen und noch mehr, er erzeugt experimentelle Klangräume gemeinsam mit der theatralischen Präsenz des gebürtigen Mazedoniers Veljanov.

Horn arbeitete bereits als Kapellmeister am Badischen Staatstheater und als Theaterpianist für das Bayerische Staatsschauspielhaus in München und brachte jede Menge musikalisches Know-how mit in das Projekt. Alexander Veljanov der sich vornehmlich für Dark Wave interessierte, studierte Theater- und Filmwissenschaften, was ihm in seiner Art der Bühnenpräsenz wohl unterstützt haben mag.

Auch wenn sich ihr Akustikprogramme seit dem Konzert 1995 in der Berliner Passionskirche kaum verändert hat, waren die Lakaien absolut sehenswert. Ein Hoch auf die kultivierte Melancholie. Und naja wie Veljanov es so schön auf dem Konzert sagte, „Wenn es aus ist, ist Schluss“.