Bill Viola. Videoinstallation. Nantes Triptych. 1992. Ph. Judith Behnk

Bill Viola in den Deichtorhallen: Alles fließt.

Bill Viola zählt seit 40 Jahren zu den besten Videokünstlern weltweit. Der in Kalifornien lebende Künstler, ist  im Museum of Modern Art in New York, im Gran Palais in Paris sowie auf der 46. Biennale in Venedig vertreten. Die Deichtorhallen Hamburg zeigen nun 13 seiner Video- und Soundinstallationen zum Teil auf monumentalen 10 Meter hohen Projektionsleinwänden.

Die Werke des Ausnahmekünstlers befassen sich mit den zentralen menschlichen Themen: Geburt, Leben und Tod. Er verarbeitet dabei die Auffassungen verschiedener religiös mystischer Strömungen, wie dem Zenbuddhismus, dem islamischen Sufismus und der christlichen Mystik. Der menschliche Körper wird dabei als Mittel zur Erfahrung von Grenzbereichen verstanden. Seine stilistischen Mittel gehen oft auf Bildquellen aus der Renaissancekunst oder des Mittelalters zurück und verleihen seinen Videoinstallationen somit einen enorm sakralen Charakter. Auch die von ihm angewendete Technik der Super Slow Motion betont den Charakter des Überalltäglichen.

Wasser als mystischer Transformator

Dem Wasser kommt in fast all seinen Werken ein besonderer Stellenwert zu, als transformatives Element, als Trennung zwischen Leben und Tod. Es ist das Medium, was einen Übergang anzeigt, von einer Sphäre in die andere von einem Zustand in den anderen. In der monumentalen Installation ‚Tristan’s ascension‘, wird ein lebloser Körper durch einen rückwärts fließenden Wasserfall emporgehoben und dessen Seele in einen anderen Zustand versetzt. Die Installation ist Teil einer größeren Inszenierung die Viola für die Peter Sellar Opernproduktion von Richard Wagners Tristan und Isolde konzipierte.

Für den Künstler ist Wasser ein mystischer Transformator. Als 6-jähriges Kind fiel er in einen See und ertrank damals dabei fast. Er beschrieb dieses Erlebnis während eines Interviews ein Mal nicht nur als erschreckend und negativ, sondern auch als wunderschön und erhaben.  Diese Erfahrung  und die Suche nach der Wiederherstellung dieses erhabenen Zustandes sollten seine Arbeit maßgeblich beeinflussen.

Der ewige Zyklus von Geburt und Tod

In seinem Nantes Triptych erlebt der Zuschauer drei unterschiedliche Lebensphasen gleichzeitg. Im ersten Segment sieht der Betrachter eine Frau die gerade unter Schmerzen einen Säugling gebiert. Die Mitte zeigt einen Mann der unter Wasser von der manchmal mehr machmal weniger starken Strömung umhergetrieben wird. Den rechten Bildrand rahmt die Szene einer sterbenden alten Frau ein. Beatmungsschläuche und medizinische Geräte halten den alten Körper noch gerade so am Leben, während dem geöffneten Mund und den müden glasigen Augen schon das Dasein entweicht. Der Kreis schliesst sich in dem Moment, als die Mutter ihren Säugling in den Armen hält und über seinen Kopf streicht und die sterbende Frau ebenfalls liebevoll von ihrem Sohn gehalten wird. Anfang und Ende und der Bereich dazwischen – Viola ist der Meinung, daß der Mensch hauptsächlich innerhalb der leeren Bereiche zwischen den physikalischen Objekten existiert.

Bill Viola. Fire Woman. Video-Ton-Installation. 2005. Ausstellungsansicht Deichtorhallen Hamburg. Ph. Judith Behnk
Bill Viola. Fire Woman. Video-Ton-Installation. 2005. Ausstellungsansicht Deichtorhallen 2017 Hamburg. Ph. Judith Behnk

„Da ist mehr als die Oberfläche des Lebens, die Wahrheit liegt unter der Oberfläche“

Die Arbeiten von Bill Viola sind wichtig, sagt Dirk Luchow Leiter der Deichtorhallen, in einer Zeit, wie unserer, in der sich alles, was sicher geglaubt, aufzulösen scheint. Dann ist so eine Grundlagenforschung, die Bill Viola mit unserer Seele betreibt gerade richtig. Dass man innehält und sich auf sich selbst bezieht. Und fragt, wer sind wir eigentlich. Was wollen wir auf dieser Welt“, betont er.

Für Bill Viola steht fest, daß da mehr als die Oberfläche des Lebens ist, die Wahrheit befindet sich unter der Oberfläche. Und seine Werke eröffnen diesen Raum, auch für den Besucher der sich darauf einlässt.

Die Ausstellung ‚Bill Viola – Installationen‘ kann noch bis zum 10. September 2017 in der Halle für aktuelle Kunst der Deichtorhallen Hamburg besucht werden.

Mehr Informationen zur Ausstellung in den Deichtorhallen

Fotos: Judith Behnk

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