Eros by Rebecca REBECCA LEVEILLE-GUAY.

„Amor auf der Menschheit Schädel hockt..“

Eine kleine Kulturgeschichte des Liebesgottes – Ob nun als verspielter, kleiner, schalkhafter Cupido (was soviel wie Begierde, Leidenschaft bedeutet) oder als lasziver Jüngling, Amor und seine Liebespfeile beschäftigen die Menschheit seit jeher.

Seit der Antike gilt der oftmals von kleinen kindlichen Liebesgöttern, den Amoretten, begleitete Gott Amor als Personifkation des ‚Sich-Verliebens‘ – Ein Wesen das mit seinen Pfeilen ins Herz trifft und die Betroffenen füreinander in Liebeswahn entbrennen lässt.

Mit der Pfeilspitze mitten ins Herz

Bis in die Zeit der griechischen Klassik wird der Liebesgott, hier Eros genannt,  in Kunst und Literatur als schöner Jüngling dargestellt. Seine Attribute sind meist Peitsche, Netz oder Sandale. Im Hellenismus setzt sich die Darstellung von Eros als Kleinkind mit Pfeil und Bogen durch. Dabei soll eine auf das Herz gezielte goldene Pfeilspitze die Leidenschaft entfachen, eine bleierne dagegen die Leidenschaft abtöten. In der griechischen Mythologie, ist er erstmals in der Theogonie des Dichters Hesiod zusammen mit Gaia, Nyx, Tartaros und Erebos als einer der fünf ersten nach dem anfänglichen Chaos entstandenen Gottheiten zu finden.

Die Liebe und die Seele erzeugen die Wollust

Antonio Canova. Amor und Psyche. Louvre Paris
Antonio Canova. Amor und Psyche. Louvre Paris

Seit Apollonios von Rhodos gilt Eros als Sohn der Aphrodite (römisch Venus) und des Ares (römisch Mars). Der antike Autor Apuleius entspinnt in seinen Metamorphosen die Liebesgeschichte um Eros und Psyche, deren Liebe durch die  wunderschöne Tochter,  namens Voluptas (Wollust) gekrönt wird. Das Sujet inspierte seit der antike Künstler in der ganzen Welt, unter anderem den italienischen Künstler Antonio Canova, der dieses Thema wohl aufs wundervollste in seiner Skulptur Amor und Psyche ausdrückte.

Liebe schaut nicht mit dem Auge, sondern mit der Seele

Oftmals wird er blind dargestellt was sich Shakespeare in seinem Sommernachtstraum so erklärt : Geflügelt ohne Augen deutet er / Der Liebe Hastigkeit im Wählen an; Und weil sie leicht verlässt was sie erkohr, So stellt man ihn als einen Knaben vor. Love looks not with the eyes, but with the mind And therefore is winged Cupid painted blind. Liebe schaut nicht mit den Augen, sondern mit der Seele

A blindfolded, armed Cupid (1452/66) by Piero della Francesca
A blindfolded, armed Cupid (1452/66) by Piero della Francesca

 

Der quälende Gott

Der französische Autor Charles Pierre Baudelaire beschreibt in ‚Die Blumen des Bösen‘ seine Begegnungen mit dem unberechenbaren Liebesgott folgendermaßen:
Amor auf der Menschheit Schädel hockt;/ Wie er dreist auf diesem Thron frohlockt,/ Lässt er Seifenblasen Rund entstehen,/Die im Blau zu fernen Welten wehn… Was du so vergeudest,/ Nur zum Scherz,/ Monstrum, ist mein Hirn,/ Mein Blut, mein Herz!

 

#Eros by Rebecca REBECCA LEVEILLE-GUAY.
Eros by Rebecca REBECCA LEVEILLE-GUAY

 

 

 

Eros by Julius Kronberg (1850-1921), Swedish Academian
Eros by Julius Kronberg (1850-1921), Swedish Academian

Auch Johann Johann Wolfgang von Goethe weiß wenig gutes über ihn in seinen Römischen Elegien zu berichten, so heisst es: „Amor bleibet ein Schalk, und wer ihm vertraut, ist betrogen!“.

Alles an Süße hat Amor – Gedicht von Battista Guarini (1594)

Alles an Süße hat Amor, / weshalb ich euch stets küsse,/ ihr süßesten Rosen, / in euch verborgen; / ach, könnt ich / unter euren süßen Küssen / mein Leben schließen, / welch süßer Tod wär dies!

Der griechische Philosoph Platon beschreibt die Liebe in seinem Werk Phaidros, sogar als ernstzunehmende geistige Krankheit.

Martin Copertari, An Excess of Love, 2013
Martin Copertari, An Excess of Love, 2013